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...der letzten 10 Jahre

 Die Menschen im Stader Kammerorchester kommen nicht nur aus Stade oder der näheren Umgebung. Ich zum Beispiel stamme aus Lübeck, musikalisches Kennzeichen: Geige. Nach dem Ingenieursstudium bekam ich 1991 einen Job bei Airbus in Finkenwerder. Seit Schulzeiten mit dem Lübecker Jugendsinfonieorchester - oh Mann, ist das schon lange her ... - hatte ich immer in irgendwelchen Amateur-Orchestern gespielt, so etwas suchte ich also auch kurze Zeit später nach meinem Umzug nach Buxtehude wieder. In der Millionenstadt Hamburg gibt es ja alle möglichen Orchester von studentisch bis ärztlich, aber was macht man hier im schönen Nordostniedersachsen?

  Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf das Stader Kammerorchester aufmerksam wurde, vielleicht durch eine Konzertkritik in der Zeitung. Jedenfalls kam ich irgendeinen Dienstagabend zur Probe, war gleich willkommen, und blieb dann gerne. Heutzutage würde ich natürlich erstmal im Internet suchen ...!

Anfang der 90er Jahre leitete der Dirigent Istvan Menich-Horvath das Stader Kammerorchester. Er schaffte es, aus dem Mix von mehrheitlich Amateuren und einigen zu Auftritten "eingekauften" Profis sehr anspruchsvolle Konzerte auf die Beine zu stellen. Genannt sei hier als Höhepunkt die Opernaufführung "Orpheus und Eurydike" von Gluck im Stadeum 1996, gemeinsam mit dem Schulchor des Athenaeums, dem Eurhythmie-Ensemble Hamburg und Solisten. Was einen Orchestermusiker immer begeistert, sind Solokonzerte. Die Beziehungen unserer Dirigenten zur musikalischen Szene Norddeutschlands haben uns manch schönen Auftritt mit Spitzen-Gastmusikern verschafft. Es ist schon faszinierend, hautnah zu erleben, was Könner aus ihren Instrumenten herausholen, und es macht Spaß, ihr Können mit einem eigenen Beitrag in Szene zu setzen! Beethoven Violinkonzertt, zuletzt 2001 mit Kristina Altunjan - Whow!! Geschmack ist natürlich immer persönlich, so habe ich beispielsweise aus dem Jahr 1992 auch das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens in sehr guter Erinnerung - um nicht zu sagen: Auf Band. Manchmal können wir es nämlich arrangieren, daß unsere Aufführungen mitgeschnitten werden. Und mit der Technik von heute läßt sich das Tonmaterial astrein digitalisieren, am PC abmischen und auf CD brennen (... immer eine gute Geschenkidee zu Weihnachten für Muttern und Vattern ...)!

Die Unterstützung durch pro Auftritt bezahlte Profi-Musiker war allerdings stets eine Herausforderung für die Orchesterkasse. Nach einigen finanziellen und persönlichen Turbulenzen Mitte der Neunziger Jahre verloren wir Istvan als Dirigenten und in der Folge einige "alte Hasen" aus unserer Mitte. Es kam eine Zeit, die ich als"Barockes Intermezzo" bezeichnen würde: Streicher-Besetzung 4 Leute pro Stimme, musikaliche Auswahl: Bach, Händel, Telemann, Vivaldi. Unser Konzertmeister Jürgen Groß steckte viel Engagement in musikalischen Feinschliff und Ausdruck. In solch einer kleinen Besetzung hört man noch intensiver aufeinander. Man spürt direkt, wie sich die eigene Stimme in das musikalische Gewebe der gesamten Komposition einfindet. Bei den Auftritten zum Beispiel in der mittelalterlichen Kirche von Harsefeld bot das Orchester eine echte kammermusikalische, feinfühlige - eben barocke - Atmosphäre. Auch die Bläser traten solistisch auf, so daß das Stader Kammerorchester in den folgenden 2 Jahren ein fester Bestandteil des Stader Kulturlebens blieb.

1998 kam Alexander Mottok "an Bord". Frisch vom Dirigenten- und Violinstudium an der Musikhochschule Lübeck, mit eigener Homepage (für Interessierte: http://www.mottok.de/), Probenwochennenden, viel Humor und Fantasie! Bei ihm bekam ich das erste Mal die Gelegenheit, einen Medley mit Geige zu spielen - es geht! Konkret: Das Konzert der klingenden Kuriositäten im Juli 2000 zusammen mit dem Chor des Athenaeums. Es war die Erstaufführung von "Ische und die Wikinger oder die Macht der Musik". Komposition: Heinrich Kleinstknecht, Text: Schülerinnen und Schüler des Deutsch-LK 13. Jahrgang des Athenaeums Stade. Das leichte Unverständnis sowie der Schweiß der ersten Proben mit handgeschriebenen Notenblättern wich auf dem Probenwochenende echtem Gefallen und mündete in einem begeisterndem Konzert. Wer die Aufführung im Stadeum gehört und gesehen hat, erinnert sich bestimmt noch gern an Vincent Lüneburg: "... Auf der Elbe bin ich gefahren im wunderschönen Monat Mai ...", Siegfried: "... Ich werde Erik, den Schlimmen, ganz alleine vertrimmen ...", oder Ische: "... Die Angst ist überwunden, dein Lachen ist zurück ...". Das Frühjahrskonzert 2001 wurde wieder ein Klassiker: Unter anderem mit  Mozart, Pariser Symphonie und Orff, Carmina Burana (arrangiert für Holzbläser). Typisch für Alexander: Wenn sich aus dem Konzertprogramm nichts als Zugabe anbietet,setzt er sich selbst eine Woche vor dem Auftritt noch hin und komponiert ein kleines passendes Stückchen. Unsere Mitgliederzahl ist kontinuierlich wieder gewachsen, so daß das Orchester ein schönes Repertoire hat und auch musikalische Experimente gut annehmen kann: Aktuell erarbeiten wir die Filmmusik zum  Kinofilm „Ausziehn!“, der Ende des Jahres in die Kinos kommt ...

Fazit?       Orchestermusik macht Freude
Buxtehude, 22.09.2001                                                            H. Schulze